Es war noch recht dunkel, als ich meinen Mietwagen auf den Parkplatz eines Hotels abstellte…

Um an den vorher mit der App PhotoPills geplanten Spot zu kommen, musste ich die Hotelanlage mit eigenem Strand überqueren. Also versuchte ich recht normal zu wirken, als ich mit Stativ und großen Fotorucksack zwischen den Sonnenliegen herumschlich.

Das angestrebte Plateau hatte leider keinen eigenen Fußweg oder andren Zugang. So musste ich die kleine Anhöhe kletternd erklimmen. Unauffällig geht irgendwie anders.

Zum Glück schliefen alle Gäste noch tief und fest. Vom Personal war auch noch nichts zu sehen. So erreichte ich ungesehen nach einer kleinen morgendlichen Kraftanstrengung die Plattform und konnte meine Kamera aufbauen.

Das Bild habe ich als Langzeitbelichtung mit ND-Filter gemacht, damit das Meer ganz glatt gezogen wirkt. Damit habe ich versucht, die morgendliche Ruhe noch mehr zum Ausdruck zu bringen.

Was denkt ihr, ist es mir gelungen?

Der rote Stuhl

Mir war wohlig warm als ich die Glen Els Distillery verlass. Das Whisky-Tasting war sehr spontan und so musste meine Frau dann das Fahren übernehmen. „Und was machen wir jetzt?“ fragte sie mich. Wir hatten keine Kinder dabei und noch den ganzen Vormittag Zeit.

„Auf nach Schierke!“ säuselte ich leicht angetrunken. So fuhr sie also Richtung Schierke los, währenddessen ich auf Google Maps die Location suchte. Ich hatte da eine Idee…

Als wir an den Koordinaten ankamen sah ich nur eins: Bauzaun! „Oh man“ entfuhr es mir. Meine bessere Hälfte machte sich auf, etwas essbares im Dorf zu suchen und so hatte ich Zeit, die Location erstmal genauer zu betrachten. Von vorn machte sie noch einen guten Eindruck, welcher sich aber auf der Rückseite schnell verflüchtigte. Hier sah man schon, wie marode der Bau war.

Aber das ist ja genau mein Ding. Natürlicher Verfall. So suchte ich nach einer Lücke im Zaun, die sich auch schnell fand. Den Spuren im Schnee zur folge, war ich auch heute nicht der einzige, der diesen Weg nahm. Am Hintereingang angekommen, huschte ich schnell in das Gemäuer.

So stand ich in der Eingangshalle, welche früher bestimmt recht eindrucksvoll seine Gäste empfang. Ich erkundete zuerst das Erdgeschoss. Hier war früher der Speisesaal, welcher heute komplett eingefallen ist. Ich machte mehrere Fotos, wegen den schwierigen Lichtverhältnissen, immer mit Stativ. Im Obergeschoss angekommen fand ich die Besucherzimmer. Der Putz war hier schon vor langer Zeit von den Wänden gefallen, aber Lampen und Gardinen hielten sich immer noch an den für sie vorgesehenen Plätzen. Sehr morbide anzusehen. Gefällt mir sehr!

In dem Verbindungsraum, in dem das Foto entstand, sah man sofort, das es hier einmal gebrannt hatte. Die Wände waren vom Ruß geschwärzt. Deshalb betrat ich den Raum auch nicht weiter. Der Boden sah nicht sehr vertrauenserweckend aus.

Aber dieser rote Sessel, der scheinbar nichts von dem Feuer abbekommen hatte, zog mich in seinen Bann. Dazu hatte sich Moos auf den Bodendielen gebildet. Das mochte ich auf anhieb und machte mehrere Fotos im Hoch- und Querformat. Somit hatte ich alles gesehen und abgelichtet und machte mich, zusammen mit meiner Frau, zurück auf den Heimweg.

Später, bei der Entwicklung habe ich, neben der normalen Bearbeitung, eine leichte Vignette eingefügt und die Schatten in der Gradationskurve die Schatten angehoben. Dadurch kommt der morbide Scharm des Verfalls noch besser zu Geltung, findet Ihr nicht?

Stonehenge

Das britische Wetter zeigte sich von seiner bekannten Seite. Es regnete schon den ganzen Tag als wir im Bus auf der Insel unterwegs waren. Nicht wirklich die perfekten Voraussetzungen um gute Fotos zu schießen. Regen, so wusste ich es schon aus Island, machten zum Glück meiner Canon nicht viel aus und so probierte ich immer wieder an den Stops mein Glück.

Zur Not kann man ja auch bei Regenwetter mit Reflektionen in Pfützen spielen oder stilistisch auf schwarz-weiß umschwenken.

Als wir bei dem berühmten Steinhaufen in der Einöde von Wiltshire ankamen kam der Regen vom windgetragen fast waagerecht. Ich stieg aus dem Bus und war nach ein paar Minuten klitschenass.

Es ist von dem Parkplatz aus noch ein ganzes Stück zu Fuss, aber zum Glück fährt hier auch ein Shuttlebus, welcher im Preis mit inbegriffen ist. Unterwegs sah ich noch tatsächlich eine Familie mit Kleinkind, die es dennoch gewagt hatten, den Weg per pedes zurück zu legen. Sie Taten mir endlos Leid.

Bei den monumentalen Steinen angekommen erwischte mich der sintflutartige Regen dann mit voller Breitseite. Ich lief schnell zu den Steinen, machte meine Fotos, wischte das Objektiv trocken, machte weitere Fotos und war innerhalb von fünf, vielleicht zehn Minuten wieder im Bus. Meine Frau war garnicht erst ausgestiegen…

Dennoch oder vielleicht auch gerade deshalb gelang mir dieses Foto, in der das berühmte Stonehenge durch die dunklen Regenwolken recht mystisch wirkt, findet ihr nicht?

Dunkirk

Es war gegen 8 Uhr morgens, als ich über die belgisch-französische Grenze fuhr. Mein Ziel war ein geschichtsträchtiger Ort. Dünnkirchen.

Oder besser gesagt der lange Strand kurz davor. Dort, so hab ich es im Internet gelesen, sollen noch einige Wracks aus der berühmten Operation Dynamo liegen.

Als ich dort ankam, galt es sich zu entscheiden, welches der Wracks ich zuerst erkunden wollte. Ich wusste nur, dass eins links und eins rechts von mir lag. Ich endschied mich für das rechte. Also lief ich los und war kurze Zeit später nicht mehr allein. Ein kleiner Hund teilte sich den Weg mit mir…

An den Dünen tauchten immer wieder alte Bunkeranlagen des ehemaligen Atlantikwalls auf. Diese müssten natürlich auch erkundet werden. Allerdings konnte ich nicht in alle rein. In einigen hatten sich Obdachlose niedergelassen und die wollte ich natürlich nicht in ihrem Schlafzimmer stören. Zumindest hatten diese Bauwerke des Schreckens nun einen Sinn.

Nach einem ausgedehntem Morgenspaziergang erreichte ich das erste Wrack und schlussendlich auch das zweite Wrack. Wenn man so vor diesem verrostetem Stahlskelett steht, begreift man erst was Krieg bedeutet. Dies machte auch ein Künstler deutlich, indem er an einem der Bunker in die französische Richtung „resistance“, in die englische Richtung „resistance“ und in die deutsche Himmelsrichtung „widerstand“ schrieb. Eine wichtige Massage in diesen Tagen, wo Nationalismus wieder salonfähig gemacht wird.

Ich machte, unter großem Respekt, meine Bilder und verließ gedankenversunken diesen Ort…

In Seenot

Es tobte ein Sturm über der Ostsee als ich 2018 bei Damp am Hafen stand. Ich hatte vor, die Wellen mit ihrer Gischt zu fotografieren. Es war knapp unter null Grad und bei dem Wind fühlte es sich an wie minus fünfzehn.

Durch die eisigen Böhen war es extrem schwierig, etwas im Sucher zu erkennen. Mein Auge tränte sofort. Ich machte einige recht gute Aufnahmen und wechselte dann auf die andere Seite des Hafens.

Dort angekommen, sah ich wie sich die Besatzung eines Seenotrettungskreuzer in eiliges Treiben verfiel. Kurze Zeit später lief auch schon der Kreuzer aus und bahnte sich seinen Weg durch die hohen Wellen. Zu diesem Zeitpunkt drückte ich schon auf den Auslöser. Nun durfte ich hier im sicheren Hafen bleiben, währenddessen sich die Retter unter Einsatz ihres Lebens aufmachten um anderen zu helfen.

Nachdem ich das Bild entwickelt hatte, postete ich es bei Instagram und wurde kurze Zeit später von dem Social-Media-Team der DGzRS angeschrieben, ob sie das Bild veröffentlichen dürfen. Ich fühlte mich geehrt und willigte natürlich ein.

Völlig überraschend meldete sich das Team dann nochmal ein Jahr später. Es ging um die Nutzungsrechte des Fotos wegen einer Drucksache und, dass sie mir auch ein Exemplar zukommen lassen wollen. Ich war gespannt…

Als ich dann den Brief bekam , war ich stolz und traurig zugleich. In dem Umschlag lag eine Trauerkarte und zwei Exemplare einer Briefmarke mit meinem Foto. Die Briefmarken waren Sonderdrucke der Deutschen Post und damit wurden die Trauerkarten verschickt. Ich war sprachlos…

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Ich hoffe, der Seemann hat seine letzte Fahrt gut überstanden

Indian Summer

Als ich morgens im Auto saß um meine beiden Kinder in den Kindergarten zu bringen, fuhr ich wie jeden Tag durch ein kleines Waldstück. Die morgendliche Sonne suchte sich ihren Weg durch den spätsommerlichen Frühnebel. Als ich die Szenerie sah, war die Sache klar!

Am Kindergarten angekommen hab ich die etwas verdutzten Kinder in Windeseile abgegeben und machte mich auf den Weg nach Hause, meine Kamera zu holen. Mit Lichtgeschwindigkeit flog mein Bulli danach zum besagtem Wald. Parkplatz gefunden und los ging es…

Glück gehabt, das Licht war sogar noch besser als vorher. Jetzt galt es nur noch eine passende Stelle zu finden, wo das Sonnenlicht auch schön durch die Bäume bricht. Ich machte einige Aufnahmen und fand, nachdem ich fast von einem Motocrossfahrer über den Haufen gefahren wurde, auch eine geeignete Stelle. Aber egal, das Bild war im Kasten und zudem hatte ich einen schönen Morgenspaziergang.

Zuhause, bei einem Kaffee, stellte ich dann fest, dass die Lichtstimmung auf dem Bild nicht ganz dem entsprach, was ich gesehen hatte. Zum Glück bietet da Lightroom die richtigen Einstellmöglichkeiten um das ganze so herauszuarbeiten, damit das Bild dem gesehenem auch entspricht.

Das Bild strahlt eine wärmende, morgendliche Ruhe aus, voller Energie in den Tag zu starten. Findet ihr nicht?

Lichtspiele

Gegen 21 Uhr saß ich im Auto Richtung Braunschweig. Im Kofferraum lag mein Fahrrad für eine nächtliche Tour durch die zweitgrößte Stadt Niedersachsens bereit.

Mein Ziel war es, den Lichtparcours 2020, welcher noch bis zum 09. Oktober geht, abzulichten. An Verschiedenen Stellen entlang der Oker sind dieses Jahr Lichtinstallationen verschiedener Künstler zu bestaunen. Das ganze kann man zu Fuß oder auch auf dem Fahrrad (geht deutlich schneller) absolvieren. Auf Google Maps sind die einzelnen Stationen eingezeichnet, so das sich auch nicht ortskundige schnell zurecht finden.

Nachdem ich mein Auto abgestellt hatte , ging es auch schon los. Die ersten Stationen waren schnell im Kasten und gefühlt war in der lauen Sommernacht halb Braunschweig mit dem Rad unterwegs.

Als ich an der dritten Station gerade mein Stativ aufbaute, kachelte mir ein Dame in mein abstelltes, aber noch mit Licht versehenes Fahrrad. Nachdem sie sich von den umstehenden Passanten aufrichten und ihr Zeug einsammeln lies, machte sie sich aus dem Staub. Da blieb ich nun zurück, mit meinem verbogenem Ständer und abgesprungener Kette…

Von dem Vorfall ließ ich mir aber nicht die Laune verderben, richtete mein Rad und machte meine Fotos an besagter Stelle.

Es wurde zusehends leerer, nachdem ich den Innenstadtbereich Richtung Bürgerpark verließ. Der Park selbst lag in kompletter Dunkelheit vor mir. Das kleine Licht am Fahrrad reichte kaum aus um sich zu orientieren. Zum Glück hatte ich meine Olight-Taschenlampe dabei. Als ich sie anknipste, schraken 1000 Hasen auf und versuchten dem gleißendem Licht zu entkommen.

An der Station Nummer 10 habe ich dann das oben gezeigte Foto geschossen. Es war dort eine sehr ruhige Atmosphäre. Eine Gruppe hat sich dort niedergelassen, um ein Sekt zu trinken und die Installation auf sich wirken zu lassen. Durch die an sich schon ruhige Wasseroberfläche ergibt sich durch die Langzeitbelichtung eine schöne Spiegelung.

Gegen 01:00 war ich dann wieder an meinem Auto und hatte die Tour beendet. Mein Fazit: Definitiv sehenswert. Sehr schöne Kunstwerke, die auch durch ihre Unterschiedlichkeit sehr interessant sind. Locations, die extrem zum fotografieren einladen, aber auch ohne Kamera sehr sehenswert sind. Man kann zum Beispiel das ganze mit gemieteten Booten vom Wasser aus erleben.

Alles in allem habe ich einen sehr schönen, wenn auch leicht anstrengenden Abend mit vielen tollen Fotos in Braunschweig erlebt.

Wochenende, Morgens, 05:00 Uhr, der Wecker klingelt unbarmherzig. Ich drehe mich um und sehe, wie meine Frau mich angrinst. In ihrer Hand ihr E-Book-Reader…

Nach einer Katzenwäsche und einen schnellen Espresso sitze ich im Abenteuerbus und fahre Richtung Heide. Die Dämmerung hat bereits eingesetzt.

Die Straßen sind noch menschenleer und kaum ein Auto ist unterwegs. So komme ich zügig an mein angesteuertes Ziel: Der Wietzer Berg bei Müden (Aller).

Dort angekommen sehe ich schon, dass ich heute morgen wohl nicht allein bin. Die Stative ragen hier und dort aus dem Boden. Nach einem kurzen Rundgang habe ich meine Location für den Sonnenaufgang erreicht. Ich geselle mich zu drei anderen Leuten, wobei die zwei Damen des Trios ebenfalls fotografieren und der Herr als Aufpasser fürs Equipment abgestellt wurde. Nun gut, ich baue meine Kamera auf und mache einige Testaufnahmen, ändere Einstellungen und wechsel nochmal Perspektive und Standort.

Als die ersten Sonnenstrahlen über die Baumwipfel guckten, ertönten die Auslöser der beiden Damen stakkatogleich, es wurden sich Einstellungen zugerufen, hüpfend durch die Heide gesprungen, wärend der Mann beim Equipment für Nachschub sorgte. Das ganze Schauspiel glich einem Schlachtfeld…

Ich machte meine zwei bis drei Bilder als HDR um einen schönen Sonnenstern und gleichzeitig die Fraben der Heide ablichten zu können und verließ die Szenerie.

Ich wollte weiter hinten noch ein Bild schießen mit Baum und dem Tal im Hintergrund.

Als ich eine geeignete Stelle gefunden hatteund ich mein Bild schießen konnte, musste ich kurz warten, weil dort grad ein Hunde-Shooting stattfand. Es war schon beeindrucken wieviel Geduld man dabei mitbringen muss. Vielleicht eins der nächsten Projekte?

Mittlerweile war es kurz vor acht und ich hatte meine Bilder im Kasten, also entschied ich mich wieder nach Hause zu fahren und freute mich auf eine Tasse Kaffee und dabei die Bilder zu entwickeln.

Stille

Dieses Bild wurde morgens um 4:15 Uhr an der Ostküste Schwedens in der Nähe von Mönsterås aufgenommen.

Nachdem meine Frau mich, gefühlt mitten in der Nacht, mit den Worten: „Tolle blaue Stunde!“ geweckt hat, wollte ich einfach nur weiterschlafen. Dann hörte ich wie meine Frau das Mobilheim verließ und in meinem Kopf hing der Gedanke: >Wenn sie heute morgen tolle Fotos macht und du zu bequem warst, wirst du dich nur darüber ärgern<. Also raus aus den Federn, rein in die Klamotten und ab ins Auto. Nachdem ich die Nachbarn beim Ausparken geweckt hab, ging es nur kurz die Straße runter. Das Ziel: Ein Steg in Richtung Sonnenaufgang.

Nachdem die Kamera aufgebaut war und ich leicht fröstelnd in der Morgenluft stand, machte ich ein paar Testaufnahmen und ging meine Einstellungen durch. Nach etwa einer Minute war ich auch nicht mehr allein. Geschätzt die Hälfte der Mückenpopulation Südschwedens gesellte sich zu mir. Also zurück zum Auto und hoffen, dass dort irgendein Anti-Mücken-Mittel lag. Natürlich nicht! Also zurück zur Kamera und weiter Fotos schießen und dabei um jeden Tropfen Blut kämpfen.

Nach einigen Perspektivwechsel hatte ich gegen 5:00 Uhr alle Bilder im Kasten und die Sonne stand auch schon weit über dem Horizont. Also zurück zum Auto und hoffen das es in der Unterkunft schon nach Kaffee riecht…und es ein Mittel gegen Mückenstiche gibt!

Das fertig entwickelte Bild strahlt eine enorme Ruhe durch die Langzeitbelichtung aus, findet Ihr nicht?